Das neue Recht der künstlichen Intelligenz

Prof. Dr. Janine Wendt, Prof. Dr. Domenik Wendt
Das neue Recht der künstlichen Intelligenz
Nomos Verlag
1. Auflage 2024
330 Seiten, 59,00
ISBN: 978-3-8487-8980-1
Einige werden sich die Frage stellen: We kann ich mit dem EU AI Act (EU 2024/1689) vertraut werden und Fachwissen erwerben, das ich in meiner Beratungspraxis dringend benötige, weil die Anforderungen von Kunden bzw. meinem Arbeitgeber steigen. Die Antwort ist nicht einfach, denn die Materie ist komplex und erfordert eine gewisse Befassung mit dem Gesetzestext und den Umständen, die zur Regulierung geführt haben. Eins ist sicher: Es gibt keine Möglichkeit, die Materie im Schlaf zu lernen, aber ein gutes Lehrbuch kann helfen, sich vorzubereiten.
Das neu erschienene Lehrbuch von Professor Dr. Janine Wendt von der TU Darmstadt und Prof. Dr. Domenik Wendt von der Frankfurt University of Applied Sciences bietet sich dafür hervorragend an. Auf sehr gut lesbaren ca. 160 Seiten führt es umfassend in die Materie ein und streift alle relevanten Themenbereiche. Die übrigen knapp 160 Seiten des Lehrbuchs sind mit dem Verordnungstext gefüllt, was sehr hilfreich ist und die Lektüre noch angenehmer macht, weil nicht mehrere Ressourcen bemüht werden müssen. Die Autoren bieten eine klare und differenzierte Darstellung des Themas, die sich durch ihre Prägnanz und Konzentration auf das Wesentliche auszeichnet. Ein besonderer Vorteil des Buches ist die kritisch-konstruktive Bewertung und Analyse des AI Act. Die Autoren arbeiten zutreffend heraus, dass wir uns aktuell noch auf der ersten Entwicklungsstufe der ‚Schwachen KI‘ befinden. Die meisten KI-Systeme auf dem Markt kommen daher nur mit einem geringen oder gar keinem relevanten Risiko daher. Dieser Ansatz ist erfrischend, da er sich von teils überzogenen und unreflektierten Aussagen und Debatten über die Risiken von KI abhebt.
Bemerkenswert ist, dass die Autoren den horizontalen Ansatz des AI Act kritisieren, der tatsächlich nicht unproblematisch ist, da der Einsatz von KI in verschiedenen Sektoren sehr unterschiedlich risikogeneigt ist. Des Weiteren zeichnet das Buch Augenmaß und Realismus aus, womit sich die beiden Autoren von anderen teils wahrnehmbaren Stimmen abheben, die den KI-Teufel an die Wand malen. Wie die Autoren zutreffend feststellen, gibt es diesen nicht, weil wir noch weit von sog. Superintelligenz von KI-Systemen entfernt sind, von der wir erste Erscheinigungsformen frühstenes in 20 Jahren zu erwarten haben.
“Tatsächlich wird von der überwiegenden Anzahl der gegenwärtigen auf dem Markt befindlichen KI-Systeme nur ein geringes oder gar kein Risiko ausgehen.”
Das Lehrbuch hilft vor diesem Hintergrund das Kind nicht mit dem Bade auszuschütten, ohne Risiken zu negieren. So heben die Autoren mit Verweis auf die Prognose der EU-Kommission hervor, dass Hochrisiko-KI-Systeme, die sich potentiell nachteilig auf die Sicherheit der Menschen oder ihre Grundrechte auswirken, lediglich 5 bis 15 Prozent der Anwendungen am Markt ausmachen.
Insgesamt ist “Das neue Recht der Künstlichen Intelligenz” ein sehr zu empfehlendes Werk für alle, die sich mit dem Thema künstliche Intelligenz auseinandersetzen möchten. Es bietet eine klare und differenzierte Darstellung des Themas und ist ein wichtiger Beitrag zur Diskussion um die Regulierung von KI. Die Autoren haben ihre Expertise in diesem Bereich eingebracht und bieten eine fundierte Analyse der relevanten Gesetze und Verordnungen.