Das Recht der Daten im Kontext der Digitalen Ethik

Dr. Stefan Brink, Prof. Dr. Petra Grimm, reGr’n Dr. Clarissa Henning, Prof. Dr. Tobias O. Keber, Prof. Dr. Oliver Zöllner
Das Recht der Daten im Kontext der Digitalen Ethik
Nomos Verlag
1. Auflage 2024
187 Seiten
59,90 Euro
ISBN 978-3-7560-1716-4
Das Werk ist Teil der Reihe Schriftenreihe Daten – Recht – Digitale Ethik erschienen.
Das Buch „Das Recht der Daten im Kontext der Digitalen Ethik“ aus der Schriftenreihe „Daten – Recht – Digitale Ethik“ verknüpft in einem ganzheitlichen Ansatz das Datenschutzrecht mit der Datensicherheit und der Digitalen Ethik.
Im ersten Teil mit der Überschrift „Orientierung für die Digitalität“ stellt Tobias O. Keber in seinem Artikel Kompass für die digitale Gesellschaft: Datenschutz und Digitale Ethik den Zusammenhang dar und untersucht die Rolle der Ethik im digitalen Kontext. Datenschutzbeauftragte sehen insbesondere beim Abschnitt zu „Ethics by Design“ und „Digital Ethics by Process“ Parallelen zum Datenschutzrecht. Durchaus nachvollziehbar ist vor diesem Hintergrund die Forderung, dass nicht nur rechtliche Vorgaben, sondern auch ethische Grundsätze konkret in technischen und organisatorischen Abläufen verankert werden sollten.
Stefan Brink und Clarissa Henning analysieren in ihrem Beitrag „Datenschutz als Ausdruck digitaler Freiheit“ die historische Entwicklung der Digitalisierung sowie ihre Wechselwirkung mit Datenschutz und Selbstbestimmung. Auch hier finden Datenschutzbeauftragte schnell einen Einstieg und können sich der Position gut anschließen, dass die Digitalisierung eine neue Dimension der Wirklichkeit und einen Weg in die Zukunft eröffnet, der vom Datenschutz als Staats- und Gesellschaftsaufgabe geebnet wird.
In „Digitale Ethik und die zentralen Leitmotive Sinn, Identität und Verbundenheit“ beschreibt Petra Grimm die wachsende Relevanz digitaler Ethik angesichts der rasanten Digitalisierung und ihren tiefgreifenden gesellschaftlichen Auswirkungen. Gut gefällt die Darstellung der Ethik im Digitalen und Ethik des Digitalen mit der Kartographie digitalethischer Fragen. Datenschutzbeauftragte, die in ihrer täglichen Aufgabenerfüllung auf ihre Querschnittkompetenz angewiesen sind, können sich der Forderung der Zusammenführung der Perspektiven Ethik, Technik und Recht für eine werteorientierte Gestaltung der Digitalisierung leicht anschließen.
Der zweite Teil ist überschrieben mit: „Daten schützen – Kinder schützen . Ethik der Überwachung in Familie und Alltag“.
Der Artikel „Zur Bedeutung anthropomorpher Zuschreibungen für das Vertrauen in vernetztes Kinderspielzeug“ von Ricarda Moll ist aus Sicht eines Datenschutzbeauftragten besonders aufschlussreich. Vernetztes Kinderspielzeug, das durch menschenähnliche Eigenschaften Vertrauen bei Kindern erweckt und diese dazu bringt, sich dem Spielzeug anzuvertrauen und zu offenbaren, birgt erhebliche datenschutzrechtliche Risiken. Regelmäßig sammeln die Geräte auch sensible Daten der Kinder und geben diese zur Speicherung auf externen Servern weiter. Es ist damit zu rechnen, dass mit der fortschreitenden Entwicklung, insbesondere auch dem Einsatz von KI in diesem Bereich die Kinder diese Spielzeuge immer mehr als soziale Wesen wahrnehmen, die sie in ihrer Entwicklung sogar beeinflussen können. Zu den Risiken des darin liegenden Manipulationspotenzials im Sinne des Datenschutzes zu beraten dürfte auch in Zukunft zur Aufgabe der Datenschutzbeauftragten gehören.
Der Beitrag „Medien – Ethik – Bildung: Privatheit als Wert und digitale Mündigkeit als Bildungsziel“ von Nina Köberer thematisiert die Herausforderungen der Digitalisierung, Datafizierung und Überwachung in der Kindheit, die ethische Bedeutung der Privatheit und den Bildungsauftrag zur digitalen Mündigkeit. Die Autorin fordert eine Orientierung am demokratischen Wertesystem bei der Digitalisierung und der Entwicklung und Nutzung neuer Technologien und lädt ein, die Zukunft mitzugestalten. Für Datenschutzbeauftragte ist die Betonung der Notwendigkeit rechtlicher und technischer Standards zur Wahrung der Privatsphäre sowie der Hinweis auf die gesellschaftliche Verantwortung wichtig, Kinder zur kritischen Reflexion und zum selbstbestimmten Umgang mit Medien zu befähigen.
In ihrem Beitrag „Das Recht des Kindes auf Achtung seiner Privatsphäre“ untersucht Julia Maria Mönig die Notwendigkeit des Datenschutzes und das Recht von Kindern auf den Schutz ihrer Privatsphäre im digitalen Zeitalter. Einem Zeitalter, wo die Überwachung durch technische Geräte immer präsenter wird. Für Datenschutzbeauftragte bietet der Beitrag einen differenzierten Einblick in die ethischen und rechtlichen Rahmenbedingungen zum Schutz von Kinderrechten. Es betont, dass Kinder als schutzbedürftige Individuen ein Recht auf informationelle Selbstbestimmung haben. Die Autorin schließt mit der Frage, in welcher Gesellschaft wir leben wollen ab und verdeutlicht, dass ein kritischer Blick auf den eigenen Umgang mit Technologien ebenso wie eine Begleitung des Medienkonsums und der Internetnutzung der Kinder der richtige Weg zum Schutz der Privatheit der Kinder sein dürfte.
Teil drei des Buches behandelt die Diskurse zur Digitalität.
Walter Krämers Beitrag „Über das berechtigte Interesse“ analysiert den Begriff des „berechtigten Interesses“ bei der Datenverarbeitung gemäß DSGVO und bietet eine tiefgehende Erörterung zur Interessenabwägung. Für Datenschutzbeauftragte ist das Werk nützlich, da es praxisnahe Kriterien und rechtliche Hinweise zur Evaluierung von Interessen bietet. Krämer thematisiert ethische und moralische Grundlagen, juristische Präzedenzfälle und Entscheidungshilfen, die dabei unterstützen, typische Fehler in der Abwägung zu vermeiden. Für die beratende und überwachende Aufgabe von Datenschutzbeauftragten hilft das Werk individuelle Interessen objektiv zu bewerten.
Daniel Maslewskis Beitrag über „Synthetische KI-Lerndaten – Voraussetzungen für einen Personenbezug“ bietet Datenschutzbeauftragten wertvolle Einsichten in die Nutzung synthetischer Daten und deren in Einzelfällen möglichen Personenbezug gemäß der Datenschutzgrundverordnung. Für die beratende Tätigkeit ist besonders hilfreich, dass Maslewski verschiedene Identifizierbarkeitsansätze erörtert und technologische Entwicklungen berücksichtigt. Er verdeutlicht, wie sich Risiken einer Re-Identifizierung durch neuere KI-Methoden erhöhen können.
Der Beitrag „Das Fediverse: Social Media im Wandel“ von Mike Kuketz ist für Datenschutzbeauftragte ebenfalls sehr relevant, da er fundiert aufzeigt, wie das Fediverse als Alternative zu kommerziellen Social Media-Netzwerken datenschutzrechtliche Risiken adressiert. Der Autor zeigt die Schattenseiten der herkömmlichen sozialen Medien durch den Überwachungskapitalismus auf und grenzt das Fediverse mit seiner dezentralen Struktur und der Werbefreiheit dagegen ab. Dabei bietet der Autor einen ersten Überblick über die Plattformen und Protokolle im Fediverse und zeigt dessen Vorteile auf. Daneben weist er auf die bestehende Möglichkeiten zur Reparatur Sozialer Medien hin.
Fazit
Das Buch stellt den Blick weit und ermöglicht es Datenschutzbeauftragten, neben ihrer datenschutzrechtlichen Perspektive auch aus anderen Perspektiven auf die Digitalisierung zu schauen.