Der BvD gestaltet die Reform der DSGVO aktiv mit
Die Diskussion über die Zukunft der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) nimmt weiter Fahrt auf – und der BvD ist mittendrin. In den vergangenen Wochen und Monaten war der BvD an mehreren zentralen Formaten beteiligt, in denen über konkrete Ansätze für eine Reform der europäischen Datenschutzregeln gesprochen wurde.

Gemeinsame Veranstaltung des BvD mit dem Branchenverband Bitkom am 24. September in Berlin. Foto: Bitkom
Remote Fireside Chat mit Max Schrems
Ein besonderer Höhepunkt war die Online-Veranstaltung am 12. September 2025, bei der die BvD-Vorstände mit Max Schrems von noyb über seine gemeinsam mit Axel Voss, MdEP, eingereichten Vorschläge zur Weiterentwicklung der DSGVO diskutierten. Beide verfolgen das Ziel, den Datenschutz einfacher, klarer und zugleich wirkungsvoller zu gestalten.
In der intensiven Diskussion konnten wir als Verband die Perspektive der Datenschutzpraxis einbringen: Datenschutz darf kein Selbstzweck sein – er muss Grundrechte effektiv schützen und zugleich rechtssicher und wirtschaftlich umsetzbar bleiben. Wir betonten, dass die DSGVO kein neues, sondern ein risikobasiertes Verständnis ihrer Grundprinzipien braucht: weniger Bürokratie, mehr Verantwortungsbewusstsein und klare Zuständigkeiten.
Besonders wichtig war uns die Botschaft, dass Bürokratieabbau und Datenschutzqualität keine Gegensätze sind – und dass der Datenschutzbeauftragte eine zentrale Rolle bei der Erreichung dieser Ziele einnimmt. Wenn Hersteller digitaler Produkte verbindlich Privacy- und Security-by-Design-Prinzipien umsetzen und Zertifizierungen nach Art. 42 DSGVO etabliert werden, profitieren sowohl die Gesellschaft als auch die Wirtschaft.
Gemeinsame Veranstaltung von BvD und Bitkom
Auch unsere gemeinsame Veranstaltung mit dem Branchenverband Bitkom am 24. September 2025 in Berlin war ein klares Signal, dass die Datenschutzreform konstruktiv gedacht werden muss. Rund 50 Expertinnen und Experten aus Verbänden, Wissenschaft, Jurisprudenz (Rechtsanwaltschaft), Industrie und Verwaltung diskutierten dort Wege zu einem wirksameren Datenschutz, der Rechtssicherheit und Innovation miteinander verbindet.
Die gemeinsame Veranstaltung von BvD und Bitkom bildete den Startpunkt einer Initiative beider Verbände für eine praxisnahe Weiterentwicklung der DSGVO.
Ziel war es, Wege zu einem effektiveren, risikobasierten Datenschutz zu diskutieren, der Grundrechte schützt, Rechtssicherheit stärkt und gleichzeitig Bürokratie abbaut.
In verschiedenen Workshops herrschte Einigkeit darüber, dass an den Datenschutzgrundprinzipien festgehalten werden soll, die praktische Umsetzung jedoch modernisiert werden muss. Diskutiert wurden unter anderem Anpassungen nach britischem Vorbild hinsichtlich des Auskunftsrechts zur Entlastung von Unternehmen sowie Herstellerpflichten im Zusammenhang mit Privacy- und Security-by-Design zur Entlastung der Wirtschaft auf Anwenderseite. Auch wurden Vorschläge zur Realisierung von Hersteller- und Produktzertifizierungen nach Art. 42 DSGVO erarbeitet, wodurch die Verantwortlichkeit von vielen Anwendern auf wenige Anbieter verlagert und ein wesentlicher Beitrag zum Bürokratieabbau geleistet werden könnte.
Die Veranstaltung zeigte deutlich: Eine Reform der DSGVO ist kein Selbstzweck, sondern eine Chance, Datenschutz einheitlicher, effizienter und innovationsfreundlicher zu gestalten – zum Wohl von Bürgerinnen, Bürgern und Wirtschaft.
Fortgesetzter Austausch mit der Politik
Parallel dazu bemüht sich der BvD-Vorstand fortwährend um einen engen Austausch mit politischen Entscheidungsträgern. Jüngst traf Thomas Spaeing MdB Johannes Schätzl (SPD), um über die unterstützende Rolle der Datenschutzbeauftragten in einer innovativen digitalen Wirtschaft zu sprechen. Dieses Gespräch verdeutlichte, dass der politische Wille, praxisorientierte Verbesserungen vorzunehmen, vorhanden ist – und dass die Praxis-Expertise des BvD hier ausdrücklich gefragt ist. Auch auf anderen Plattformen bringt der BvD seine Position aktiv ein. So diskutierte Dr. Christoph Bausewein auf der Bitkom Privacy Conference am 10. September 2025 in Berlin über den Reformbedarf der DSGVO.

Besonders im Mittelpunkt stand dort die Frage, wie im KI-Zeitalter die Balance zwischen effektivem Datenschutz und der Ermöglichung datengetriebener Innovationen gelingen kann.
Die Teilnahme des BvD an solchen Formaten unterstreicht die wachsende Bedeutung des Verbandes als konstruktiver Partner in der politischen und gesellschaftlichen Diskussion.
Ergebnisse der Arbeitsgruppen
Die Ergebnisse aus den Arbeitsgruppen der gemeinsamen Veranstaltung von BvD und Bitkom am 24. September in Berlin sind auf der BvD-Webseite abrufbar. Die Arbeitsgruppen berieten über die Themen «Bürokratieabbau und Rechenschaftspflicht», «Risikobasierter Ansatz reloades» und «Zertifizierung nach DSGVO». Impulse dazu gaben Dr. Claus Ulmer von der Deutschen Telekom, Prof. Dr. Boris P. Paal, M.Jur. (Oxford) und Hans-Hermann Schild (Richter am VG a.D., Universität Kassel).
Hier gelangen Sie direkt zu den Ergebnissen
bvdnet.de/zukunft
Mitwirkung in der TUM Think Tank-Arbeitsgruppe
Ein weiterer, besonders erfreulicher Schritt ist die Einbindung des BvD in die neu gegründete Arbeitsgruppe „DSGVO: Reformbausteine für Datenschutz und -nutzung“ des TUM Think Tank unter Leitung von Prof. Dr. Boris Paal, Kai Zenner und Max Schrems
(mehr Informationen unter https://tumthinktank.de/news/arbeitsgruppe-dsgvo/).
Dr. Christoph Bausewein wurde eingeladen, den BvD in dieser hochkarätig besetzten Expertengruppe zu vertreten. Das Ziel der Arbeitsgruppe ist es, bis Dezember 2025 vier konkrete, rechtlich anschlussfähige Reformvorschläge vorzulegen, die Datenschutz wirksamer machen und zugleich eine verantwortungsvolle
Datennutzung für Wirtschaft und Gesellschaft erleichtern sollen.
Zum Kreis der Mitglieder zählen neben Dr. Christoph Bausewein die Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit, Prof. Louisa Specht-Riemenschneider, Kai Zenner, Max Schrems, Thomas Fuchs, Michael Will, Prof. Dr. Christiane Wendehorst, Prof. Dr. Franziska Boehm, Dr. Stefan Brink, Prof. Niko Härting, Dr. Peter Hense und der Vorstand der Stiftung Datenschutz, Frederick Richter, alle renommierte Expertinnen und Experten aus Aufsicht, Wissenschaft und Praxis.
Die Zusammensetzung zeigt die hohe Schlagkraft dieser Initiative – und dass der BvD hier auf Augenhöhe mitgestaltet, wie Datenschutz und Datennutzung künftig besser in Einklang gebracht werden können. Für unseren Verband ist die Teilnahme an dieser Runde ein großer Vertrauensbeweis und zugleich eine Chance, die Perspektive der Datenschutzbeauftragten unmittelbar in einen europaweit relevanten Reformprozess einzubringen.
Fortsetzung der Arbeit im Sonderausschuss zur Zukunft der DSGVO
Parallel dazu haben auch die Unterarbeitsgruppen des BvD-Sonderausschusses zur Zukunft des Datenschutzes und der Datenschutzbeauftragten in den vergangenen Wochen und Monaten ihre Arbeit fortgesetzt. Dort werden unter anderem konkrete Positionen und Vorschläge des Verbands zur Weiterentwicklung der DSGVO erarbeitet und abgestimmt.
Wir laden unsere Mitglieder ausdrücklich dazu ein, sich weiterhin aktiv an dieser Arbeit zu beteiligen und ihre Praxiserfahrungen einzubringen. Nur durch die Vielfalt an Perspektiven aus der täglichen Datenschutzarbeit kann der BvD sicherstellen, dass seine Positionen die Erfahrungen und Anliegen der Mitglieder bestmöglich widerspiegeln.
Der BvD als gestaltende Kraft
Die letzten Monate haben gezeigt, dass der BvD in der europäischen Datenschutz- und Reformdebatte sichtbar, gefragt und wirksam ist. Ob im Austausch mit politischen Entscheidungsträgern, in Kooperation mit anderen Verbänden oder in wissenschaftlichen Think-Tank-Formaten – der Verband bringt die Stimme der Praxis ein und setzt sich für einen Datenschutz ein, der versteht, schützt und ermöglicht.
Wir werden diese Rolle weiter ausbauen und auch künftig aktiv dazu beitragen, dass die DSGVO ihre Grundidee – Schutz der Menschen, Vertrauen in Technologie und Förderung von Innovation – in einer sich wandelnden digitalen Welt erfüllt.