Editorial
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
wenn sich rund 250 Datenschutzbeauftragte und -experten drei Tage lang in München versammeln, dann geht es nicht nur um Fachwissen – sondern auch um Haltung, Austausch und ein starkes Zeichen für die Bedeutung unseres Berufsstands. Die neunte Ausgabe der BvD-Herbstkonferenz hat eindrucksvoll gezeigt, wie lebendig, engagiert und vielfältig die Datenschutz-Community ist – und wie sehr Datenschutz
mit Innovation und zugleich mit gesellschaftlicher Verantwortung verknüpft ist.
Auch diese Ausgabe der BvD-News vereint politische Haltung mit aktuellen und praxisrelevanten Fachthemen wie der rechtssicheren Transkription von Online-Meetings oder dem Dauerbrenner Microsoft 365. Gerade jetzt wird der politische Aspekt zunehmend relevant für unseren Berufsstand.
Der Datenschutz steht unter Druck – sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene. Stichwort: Bürokratieabbau.
Genau hier setzt unsere Arbeit als Berufsverband an. Wir bündeln unsere Praxiserfahrung und speisen sie in die politischen Prozesse ein. In Gesprächen mit Ministerien, Abgeordneten und Behörden setzen wir uns dafür ein, dass Datenschutzpraxis besser verstanden, realitätsnäher geregelt und systematisch gestärkt wird. Und da Bürokratieabbau fast ausschließlich durch Änderungen auf europäischer Ebene möglich sind, nutzen wir dafür auch vermehrt das Netzwerk unseres europäischen Dachverbands EFDPO.
Ein umfassender Bericht über unsere aktuellen Aktivitäten im Bereich der politischen Arbeit findet sich in dieser Ausgabe (Seite 6). Besonders hervorheben möchte ich noch einmal unser Positionspapier zur DSGVO-Reform (zu finden auf unserer Website unter https://www.bvdnet.de/de/presse/positionen/positionspapier-zur-reform-der-eu-datenschutz-grundverordnung-dsgvo/). Auch wenn aktuell nur
ein begrenztes Omnibus-Verfahren geplant ist, bringen wir konkrete Vorschläge ein: für mehr Risikoorientierung und für klare technische Verantwortung der Hersteller digitaler Lösungen.
Dabei machen wir deutlich: Datenschutz funktioniert nicht ohne kompetente, qualifizierte und wirksam eingebundene Datenschutzbeauftragte.
Wie diese Einbindung aussehen kann und sollte, war Thema einer der zentralen Podiumsdiskussionen der Herbstkonferenz: „Datenschutzbeauftragte: Eine Rolle im Wandel“ stellte die Frage nach der künftigen Position des Berufsstands. Ein wesentlicher Faktor hierbei ist der Vormarsch von Künstlicher Intelligenz in fast allen Bereichen unserer Gesellschaft. Ob bei der Nutzung generischer KI-Systeme, bei der Entwicklung eigener Modelle oder beim Einsatz datengetriebener Plattformen: Datenschutzbeauftragte leisten Mehrwerte in allen Phasen – als Strategiepartner, Risikomanager
und Gestalter von „Privacy by Design“. Diese Rolle gilt es zu sichern, zu stärken – und politisch zu verankern.
Ich lade Sie ein, sich in diese Entwicklungen aktiv einzubringen – durch Ihre Stimme, Ihre Expertise und Ihr Engagement.
Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre.
Ihr